
Durchblick I
Siegfried Wagner -Zeit-Zeichen
Vernissage, Sonntag,17. Mai | 14-18 Uhr
Ausstellung 17. Mai — 02. Juli 2026
Der Lebenslauf des Künstlers Siegfried Wagner gleicht einem seiner farbigen Holzschnitte mit starken Konturen und viel Licht und Schatten. Nach seinem Studium an der Magdeburger Fachschule für angewandte Kunst (1960-1963), arbeitete er zeitweise in Calvörde und fand dann wieder in Magdeburg über viele Jahre sein künstlerisches Domizil. Athenstedt am Huy sollte schließlich ein Ruhepunkt für den Künstler und seine Familie werden, aber den fand der auch kunsttherapeutisch arbeitende Maler und Grafiker ab 1996 schließlich in Quedlinburg. Dort ist der Unruhegeist dann wohl Stück für Stück wieder zur Ruhe gekommen.
H.B.
Mein einstiger Genosse Wagner flog schon 1964 aus der ganz großen Partei und war seitdem auch ein Lieblingsobjekt für die staatssicherheitlichen Aktensammlungen. Sein Brot verdiente er als Transportarbeiter, Rangierer, Plakatmaler und später als Messegrafiker in Leipzig und Rostock. Wie oft finden wir in Kunst und Literatur solche Lebensläufe. Siegfried Wagner erinnert sich: „Dieses Metier war eine Nische für das künstlerische Proletariat der DDR. In diesem Umfeld wurde damals mehr und ehrlicher über Kunst gesprochen als im Verband. Künstlerische Arbeit zwingt zur Auseinandersetzung mit dem Gegenstand, den man bearbeitet, zum Dialog und zur messerscharfen Kritik, da gibt es keine andere Unterordnung. Nicht umsonst haben sich Schwert und Schild der Partei so um uns gekümmert.“, schreibt er in seinen Erinnerungen. „Eine Laufbahn als angepasster Hurraschreier ist mir so durch meine Veranlagung, alle Fettnäpfchen zu finden, erspart geblieben.“ Inzwischen beim Kunsthandel als Restaurator angestellt, nahm er 1974 ein externes Studium der Grafik an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee auf und wurde 1977 in den Künstlerverband aufgenommen, was für ihn die Legalisierung seiner Person und die Anerkennung seiner Arbeit bedeutete. Er ließ sich nicht beirren und machte mit Fleiß und Ausdauer weiter (Zitat): „Kindern muss man zum Leben verhelfen“, ist einer seiner trotzig-optimistischen Sprüche. So begann er gleich 1990 hier in Magdeburg in der Arbeitsgruppe „Werkkunstschule“ mitzuarbeiten, die Konzeptionen für die Wiedereinrichtung der Magdeburger Kunstschule erarbeiteten sollte. Auch hier ging es kontrovers zu. Und er war an der Seite jener, die die SPD in Magdeburg neu begründeten. Als das eine Kind scheiterte und das andere erwachsen zu werden begann, verabschiedete er sich, er hatte ja als Künstler ganz andere Aufgaben, die sich in keinem Büro erledigen lassen. Aber von etwas leben muss selbst ein Künstler und so wurde Siegfried Wagner für den Fond „Kunst ist Leben e.V.“ und später der Caritas im Kinder- und Jugendheimheim St. Josef zu Halberstadt Kunsttherapeut. Eine Arbeit, in die er sich wie in kaltes Wasser stürzte und die ihm schließlich viel Freude und Anerkennung brachte.
Heiko Bruns